Studienfinanzierung

Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium in Deutschland

Ein Studium ist eine Investition in die Zukunft, die jedoch oft hohe Kosten verursacht. In Deutschland gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die Studierenden dabei helfen können, ihre Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu decken. In diesem Artikel werden wir einige der wichtigsten Finanzierungsoptionen vorstellen und detailliert beschreiben.

BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz)

Das BAföG ist eine staatliche finanzielle Unterstützung für Studierende, die von der deutschen Regierung bereitgestellt wird. Es ist ein zinsfreies Darlehen, das zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt wird. Die Höhe des BAföG hängt vom Einkommen der Eltern, dem eigenen Vermögen und dem Bedarf des Studierenden ab. Die maximale Förderungsdauer entspricht der Regelstudienzeit des gewählten Studiengangs. Die Rückzahlung des Darlehens beginnt fünf Jahre nach Abschluss des Studiums und ist auf maximal 10.000 Euro begrenzt.

Voraussetzungen und Einkommensgrenzen

Hier sind einige konkrete Voraussetzungen und Einkommensgrenzen, die für die Beantragung von BAföG gelten:

Voraussetzungen:
  1. Deutsche Staatsbürger, EU-Bürger oder bestimmte ausländische Studierende mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis.
  2. Studierende müssen unter 30 Jahren (oder unter 35 Jahren für Masterstudierende) alt sein.
  3. Die Ausbildung sollte an einer anerkannten Hochschule in Deutschland stattfinden.
Einkommensgrenzen:
  1. Die Einkommensgrenzen basieren auf dem Einkommen der Eltern und/oder des Ehegatten/Lebenspartners.
  2. Das anrechenbare Einkommen der Eltern sollte unter bestimmten Grenzwerten liegen, die von der Anzahl der Kinder und dem Familienstand abhängen.
Ein konkretes Beispiel:

Angenommen, ein Student möchte BAföG beantragen. Er ist 25 Jahre alt, deutscher Staatsbürger und studiert an einer staatlichen Hochschule. Seine Eltern sind verheiratet und haben ein gemeinsames Bruttoeinkommen von 50.000 Euro im Jahr. Er hat einen jüngeren Geschwister, der noch zur Schule geht.

Um zu ermitteln, ob dieser Student Anspruch auf BAföG hat, muss das anrechenbare Einkommen der Eltern berechnet werden. Dabei werden Freibeträge, wie z.B. ein Grundfreibetrag von 2.108 Euro pro Elternteil und ein Kinderfreibetrag von 2.370 Euro pro Kind, vom Bruttoeinkommen der Eltern abgezogen. In diesem Fall ergibt sich ein anrechenbares Einkommen von:

50.000 – (2 × 2.108) – (2 × 2.370) = 50.000 – 4.216 – 4.740 = 41.044 Euro

Da das anrechenbare Einkommen der Eltern unter den vorgegebenen Grenzwerten liegt (abhängig von der Anzahl der Kinder und dem Familienstand), hätte der Student Anspruch auf BAföG. Die genaue Förderungshöhe hängt von weiteren Faktoren ab, wie z.B. der Wohnsituation des Studierenden und eventuellen weiteren Einkommen.

Es ist wichtig zu beachten, dass BAföG in der Regel zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt wird, das später zurückgezahlt werden muss. Die Rückzahlung beginnt in der Regel fünf Jahre nach Abschluss des Studiums und ist auf maximal 10.010 Euro begrenzt.

Stipendien

Stipendien sind eine weitere Möglichkeit, ein Studium in Deutschland zu finanzieren. Es gibt zahlreiche Stiftungen und Organisationen, die Stipendien für Studierende anbieten. Diese können entweder leistungsbezogen, sozial engagiert oder bedarfsabhängig sein. Einige der bekanntesten Stipendiengeber in Deutschland sind das Deutschlandstipendium, die Studienstiftung des deutschen Volkes und das DAAD-Stipendium.

Deutschlandstipendium

Das Deutschlandstipendium ist eine staatliche Fördermaßnahme, bei der begabte und leistungsfähige Studierende an deutschen Hochschulen finanziell unterstützt werden. Die Förderung beträgt 300 Euro pro Monat und wird zu gleichen Teilen von privaten Förderern (Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen) und dem Bund finanziert. Die Förderdauer beträgt in der Regel mindestens zwei Semester und kann bis zum Ende der Regelstudienzeit verlängert werden. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt durch die jeweilige Hochschule, wobei neben guten Studienleistungen auch gesellschaftliches Engagement und persönliche Umstände berücksichtigt werden.

Studienstiftung des deutschen Volkes

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist die größte und älteste Begabtenförderung in Deutschland. Sie unterstützt besonders begabte und leistungsbereite Studierende unabhängig von ihrer Herkunft und finanziellen Lage. Die Förderung umfasst eine finanzielle Unterstützung in Form eines monatlichen Stipendiums, das sich an der Höhe des BAföG orientiert, sowie ideelle Förderung durch ein umfangreiches Bildungsprogramm. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren, das aus einer schriftlichen Bewerbung, einem Auswahlseminar und einem persönlichen Gespräch besteht. Zu den Auswahlkriterien zählen herausragende schulische und/oder akademische Leistungen, gesellschaftliches Engagement und besondere Begabungen.

DAAD-Stipendium

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist eine der bedeutendsten Organisationen zur Förderung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs. Das DAAD-Stipendium bietet finanzielle Unterstützung für deutsche Studierende und Wissenschaftler, die im Ausland studieren, forschen oder lehren möchten, sowie für internationale Studierende und Wissenschaftler, die nach Deutschland kommen möchten. Die Förderung umfasst beispielsweise Studiengebühren, Reisekosten, Lebenshaltungskosten und Versicherungen. Die Höhe und Dauer der Förderung variieren je nach Programm und individuellen Voraussetzungen. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt anhand von akademischen Leistungen, fachlicher Eignung und persönlichen Qualitäten.

Politische Stiftungen

In Deutschland gibt es neben den bereits genannten Stipendien auch eine Reihe von politischen Stiftungen, die Studierenden finanzielle Unterstützung bieten. Zu den bekanntesten politischen Stiftungen zählen:

Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)

Die FES ist der SPD nahestehend und fördert sozialdemokratisch engagierte Studierende und Promovierende. Die Stiftung unterstützt sowohl deutsche als auch internationale Studierende.

Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)

Die KAS ist der CDU zugehörig und vergibt Stipendien an Studierende und Promovierende, die sich gesellschaftlich und politisch engagieren und christdemokratische Werte vertreten.

Heinrich-Böll-Stiftung

Diese Stiftung ist der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe und fördert Studierende und Promovierende, die sich für ökologische, soziale und demokratische Themen einsetzen.

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF)

Die FNF ist der FDP verbunden und unterstützt liberale, gesellschaftlich engagierte Studierende und Promovierende.

Rosa-Luxemburg-Stiftung

Diese Stiftung ist der Partei DIE LINKE zugeordnet und fördert Studierende und Promovierende, die sich für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und gesellschaftliche Veränderungen einsetzen.

Hanns-Seidel-Stiftung (HSS)

Die HSS ist der CSU nahestehend und vergibt Stipendien an Studierende und Promovierende, die sich in den Bereichen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft engagieren und christlich-soziale Werte vertreten.

Diese politischen Stiftungen bieten neben finanzieller Unterstützung auch ideelle Förderung in Form von Bildungsangeboten, Netzwerken und persönlicher Betreuung. Die Auswahlkriterien und Bewerbungsverfahren variieren je nach Stiftung, wobei gute akademische Leistungen, gesellschaftliches Engagement und die Übereinstimmung mit den Werten der jeweiligen Stiftung meist entscheidend sind.

Bildungskredite

Bildungskredite sind Darlehen, die von Banken oder staatlichen Einrichtungen angeboten werden, um Studierenden bei der Finanzierung ihres Studiums zu helfen. Sie haben in der Regel niedrigere Zinssätze als herkömmliche Kredite und bieten flexible Rückzahlungspläne. Ein bekanntes Beispiel ist der KfW-Studienkredit, der von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angeboten wird. Die Rückzahlung des Kredits beginnt frühestens 6 Monate nach Abschluss des Studiums und kann bis zu 25 Jahre dauern.

KfW-Studienkredit als Beispiel

Der KfW-Studienkredit ist eine Finanzierungsmöglichkeit für Studierende in Deutschland, die von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angeboten wird. Der Kredit soll Studierenden helfen, ihre Ausbildungskosten zu decken, wenn andere Finanzierungsmöglichkeiten wie BAföG oder Stipendien nicht ausreichen oder nicht verfügbar sind. Hier sind einige wichtige Aspekte des KfW-Studienkredits:

  1. Zielgruppe: Der KfW-Studienkredit richtet sich an deutsche Studierende, Bildungsinländer (Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die aber in Deutschland ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben) und EU-Bürger, die seit mindestens drei Jahren in Deutschland leben und arbeiten oder einen deutschen Hochschulzugang haben.
  2. Finanzierungsumfang: Studierende können zwischen 100 und 650 Euro pro Monat beantragen, wobei der genaue Betrag von den individuellen Bedürfnissen und der finanziellen Situation abhängt. Der Kredit kann für die gesamte Regelstudienzeit, einschließlich Praktika und Auslandssemester, in Anspruch genommen werden.
  3. Zinsen und Rückzahlung: Der KfW-Studienkredit ist ein zinsgünstiger Kredit mit variablen Zinssätzen, die sich an den aktuellen Marktzinsen orientieren. Während der Studienzeit fallen keine Tilgungszahlungen an, jedoch sind Zinszahlungen erforderlich. Die Rückzahlung des Kredits beginnt frühestens 18 Monate nach Ende der Auszahlungsphase und kann bis zu 25 Jahre dauern. Studierende haben die Möglichkeit, jederzeit Sondertilgungen zu leisten, um die Kreditschuld schneller abzuzahlen.
  4. Antragsverfahren: Der Antrag auf einen KfW-Studienkredit kann online oder über eine kooperierende Bank oder Sparkasse gestellt werden. Studierende müssen ihren Studienplatz, ihre finanzielle Situation und ihren Bedarf an finanzieller Unterstützung nachweisen. Es ist wichtig, frühzeitig zu prüfen, ob man die Voraussetzungen für den Kredit erfüllt, um genügend Zeit für die Antragstellung und die Bearbeitung zu haben.
  5. Weitere Unterstützung beachten: Neben dem KfW-Studienkredit können Studierende auch andere Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht ziehen, wie z.B. Stipendien, Bildungskredite von privaten Banken, oder die Unterstützung durch die Eltern. Es ist ratsam, sich über alle verfügbaren Optionen zu informieren, um die beste Finanzierungslösung für das Studium zu finden.

Der KfW-Studienkredit kann eine gute Möglichkeit sein, um die Kosten des Studiums zu decken, wenn andere Finanzierungsoptionen nicht ausreichen. Es ist jedoch wichtig, sich ausführlich über die Konditionen und Rückzahlungsbedingungen zu informieren und die langfristigen Auswirkungen der Kreditaufnahme sorgfältig abzuwägen.

Nebenjobs und studentische Hilfskraftstellen

Viele Studierende in Deutschland finanzieren ihr Studium durch Nebenjobs oder studentische Hilfskraftstellen. Das deutsche Gesetz erlaubt Studierenden, bis zu 20 Stunden pro Woche während des Semesters und Vollzeit während der Semesterferien zu arbeiten. Diese Arbeitserfahrung kann nicht nur helfen, die Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu decken, sondern bietet auch wertvolle Berufserfahrungen und Kontakte für den späteren Berufseinstieg.

Nebenjob

Ein Nebenjob ist eine Teilzeitbeschäftigung, die Studierende neben ihrem Studium ausüben können. Die Arbeitszeiten sind in der Regel flexibel gestaltet, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, Vorlesungen und Seminare zu besuchen. Nebenjobs können in verschiedenen Branchen wie Gastronomie, Einzelhandel, Kundenservice und vielen anderen gefunden werden. In Deutschland dürfen Studierende während des Semesters bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten, um ihren Aufenthaltsstatus und BAföG-Anspruch nicht zu gefährden.

Studentische Hilfskraft

Eine studentische Hilfskraft ist eine spezielle Art von Nebenjob, bei dem Studierende direkt an ihrer Hochschule oder Universität arbeiten. Sie unterstützen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter oder Verwaltungspersonal in verschiedenen Aufgabenbereichen wie Forschung, Lehre, Laborarbeit oder Verwaltungsaufgaben. Studentische Hilfskräfte arbeiten in der Regel weniger als 20 Stunden pro Woche und erhalten einen festen Stundenlohn. Die Arbeitszeiten sind ebenfalls flexibel, um den Studienanforderungen gerecht zu werden.

Sowohl Nebenjobs als auch studentische Hilfskraft-Positionen bieten Studierenden wertvolle Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten zu erweitern, ihr berufliches Netzwerk aufzubauen und einen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche zu erhalten. Es ist wichtig, dass Studierende ihre Arbeitsbelastung realistisch einschätzen und sicherstellen, dass sie genügend Zeit für ihr Studium und ihre persönliche Erholung aufwenden.

Familienunterstützung

In vielen Fällen unterstützen die Eltern ihre Kinder finanziell während des Studiums. Die Höhe der Unterstützung hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab. In Deutschland sind Eltern gesetzlich verpflichtet, ihre Kinder bei der Finanzierung eines angemessenen und zumutbaren Studiums zu unterstützen, sofern sie dazu in der Lage sind.

Die gesetzliche Verpflichtung der Eltern, ihre Kinder bei der Finanzierung ihres Studiums zu unterstützen, ergibt sich aus dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Die relevanten Paragraphen sind:

  1. § 1601 BGB: Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.
  2. § 1602 BGB: Nur wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten, hat Anspruch auf Unterhalt.
  3. § 1610 BGB: Der Unterhalt umfasst den gesamten Lebensbedarf, einschließlich der Kosten einer angemessenen Ausbildung zu einem Beruf, unabhängig davon, ob sie in einem Ausbildungsverhältnis oder in einem Dienstverhältnis stattfindet.

Einige bedeutende Urteile deutscher Gerichte in Bezug auf die Finanzierung der Hochschulbildung sind:

  1. Bundesgerichtshof (BGH), Urteil vom 12.07.1967, Az. IV ZR 26/67: Das Urteil stellte fest, dass Eltern verpflichtet sind, ihren Kindern eine angemessene Berufsausbildung zu ermöglichen und die damit verbundenen Kosten zu tragen.
  2. Bundesverfassungsgericht (BVerfG), Beschluss vom 26.07.1977, Az. 1 BvL 19/76: Das Gericht entschied, dass Eltern auch zur Finanzierung eines zweiten Studiums verpflichtet sein können, wenn das erste Studium aufgrund einer Fehlentscheidung oder aus anderen unvorhersehbaren Gründen abgebrochen wurde.
  3. BGH, Urteil vom 05.03.2003, Az. XII ZR 128/00: In diesem Fall wurde klargestellt, dass Eltern im Regelfall auch für ein Auslandssemester während des Studiums aufkommen müssen, wenn dies für den angestrebten Beruf erforderlich oder vorteilhaft ist.

Zusammenfassung

In Deutschland gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium. Dazu gehören BAföG, Stipendien, Bildungskredite, Nebenjobs und studentische Hilfskraftstellen sowie die Unterstützung durch die Familie. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren und diese miteinander abzuwägen, um die beste Finanzierungsstrategie für das eigene Studium zu finden.

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